Persönliches

Die Hochzeit von Oma und Opa

Die Geschichte rund um die Hochzeit meiner Großeltern ist einer der romantischsten die ich je gehört habe. Meine Oma Ingrid (geboren im Jahr 1932) und mein Opa Egon (geboren im Jahr 1930) haben am 21.06.1952 geheiratet, also nicht wirklich lange nach dem Krieg.

Auf dem Weg zur Arbeit in der Verwaltung beim Landratsamt ist mein Opa Egon immer an einem Fotogeschäft vorbei gelaufen. Das am größten entwickelte Bild im Schaufenster war ein Portrait einer jungen unbekannten Frau. Jedes Mal auf seinem Weg ist Opa am Schaufenster stehen geblieben, um sich das Foto von ihr eine Zeit lang anzuschauen.

Von Tag zu Tag wurden die Neugier und das Verlangen den Namen der jungen Unbekannten heraus zu finden größer und größer. Mein Opa Egon wollte unbedingt wissen, wer diese Frau auf dem Foto ist, doch Der Fotograf konnte ihm dem Namen leider nicht mitteilen. Aus diesem Grund hat er sich selber auf die Suche begeben. Egon hat in der ganzen Kleinstadt, mitten in der DDR, rumgefragt ob jemand wisse wer das ist.

Opa lies Oma über Lautsprecher ausrufen

Nach einiger Zeit war das Glück auf seiner Seite und er erfuhr ihren Namen und das sie in einer Stärkefabrik arbeitete. Er hat sich sofort auf den Weg zu ihrer Arbeitsstelle gemacht und hat sie über Lautsprecher ausrufen lassen. Auch wenn sie davon erst nicht begeistert war, haben sie sich trotzdem zum Tanzen verabredet.

Aus dem ersten Treffen wurden immer mehrere. Sie haben sich getroffen um entweder durch die Stadt zu spazieren oder zum See zu gehen. Schnell haben die Schmetterlinge im Bauch angefangen zu fliegen.

Die Verlobung und die Suche nach den Hochzeitsringen

Im Dezember 1951 sind beide zu der Weihnachtsfeier im Landratsamt gegangen, das in einem Restaurant auf einer kleinen Insel in dem See stattfand, zu dem beide immer sehr gerne zusammen gegangen sind. Zu etwas späterer Stunde, wollte er mit ihr alleine raus an die frische Luft gehen. Als beide Hand in Hand draußen standen, hat er sie im Mondschein gefragt ob sie seine Frau werden möchte. Mein Opa Egon hatte auch bereits Ringe organisiert. Die Ringe musste er allerdings damals in West-Berlin kaufen, da es in der DDR zu dieser Zeit nicht möglich war schöne aber schlichte Ringe in Gold zu bekommen.

Die Vorbereitungen zur Hochzeit

Die Nachkriegszeit, insbesondere in der damaligen DDR, war keine Leichte. So konnte im Vorfeld der Hochzeit kein eigenes Hochzeitskleid gekauft werden. Meine Oma hat sich das Hochzeitskleid von einer Freundin ausgeliehen, welches sie sich ein Jahr davor selber genäht hatte. Auch mein Opa musste damals improvisieren. Zwar hatte er einen neuen schwarzen Anzug bekommen, doch passende Schuhe zu dem Anzug zu bekommen war nicht möglich. Aus diesem Grund musste er zu seinem schwarzen Anzug seine alten Schuhe in Braun tragen.

Im Gegensatz zur heutigen Zeit, haben sich die Vorbereitungen zur Hochzeit stark in Grenzen gehalten und das meiste wurde selber gemacht. So wurden auch zwei von drei Kleider für die Blumenmädchen selber genäht, weil es hübsch Aussehende Kleider entweder nicht gab oder diese zu teuer waren.

Der Hochzeitstag

Die Hochzeit im Standesamt am späten Vormittag wurde nur im engsten Familien- und Freundeskreis mit insgesamt 17 Personen vollzogen. Direkt im Anschluss hatte das frische Brautpaar zu einem Mittagessen im Haus der Oma von meiner Oma eingeladen, dass von einer befreundete Köchin gekocht wurde. Um ausreichend Platz für die ausgeliehenen Tische und Bänke zu haben, wurde das Wohnzimmer freigeräumt.

Gegen Nachmittag wurde der selbst gebackene Hochzeitskuchen serviert, ganz ohne Feuerwerk oder sonstigen Effekten. Eine pompöse mehrstöckige Torte mit Verzierungen oder ähnlichem gab es hier nicht. Zum Abendessen wurde den Gästen Hühnerfrikassee gereicht, mit Hühnern vom eigenen Hof.

Die Hochzeit von Oma und Opa - Foto mit Blumenmädchen

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